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LIEBE RÜTTENSCHEIDER

WILLKOMMEN zur Bürgersprechstunde
Freitags 11.00-13.00 Uhr im
Karl-Hohlmann-Haus.
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Ein Rüttenscheider

Karl Hohlmann – ein Rüttenscheider!

Die Einweihung des Hauses der Behinderten ist uns Verpflichtung an den Mann zu denken, der es ermöglicht hat, dieses Haus zu bauen und mit Leben zu erfüllen.

Karl Hohlmann wurde am 30.8.1899 in Essen geboren. Er stammt aus einer alten Pohlbürger-Familie. Nach dem Besuch der Humboldt-Oberrealschule in Essen und der Deutschen Auslandsschule in Davos studierte er Landwirtschaft in Gießen.

Im Jahre 1930 heiratete Karl Hohlmann seine Ehefrau Maria. Der Ehe entstammen eine Tochter und ein Sohn.

Gleichzeitig begann seine Tätigkeit in der Kommunalverwaltung. Schon 1932 wurde er als Bürgermeister nach Sachsen berufen. Nach verschiedenen Stationen innerhalb der Verwaltung wurde er 1944 auf der Flucht vor den anrückenden Russen als Landser eingezogen und geriet am Waffenstillstandstag 1945 mit schwerer Kopfverwundung in russische Gefangenschaft. Nach einem langen Leidensweg wurde Karl Hohlmann 1948 offiziell, jedoch krank und hungernd entlassen, um sich anschließend bei Arbeiten auf einem Bauernhof zu erholen.

Nach seiner Rückkehr nach Essen begann er zunächst in der Werbeabteilung der WAZ.  Seit 1956 war er mehr als 20 Jahre Geschäftsführer beim ETB Schwarz-Weiß Essen. An verantwortlicher Stelle hat er die Entwicklung dieses Traditionsvereins maßgeblich mitgestaltet und beeinflusst.

Ehrenamtlich engagierte sich Karl Hohlmann in sozialen und kulturellen Organisationen.
Er war Förderer und Berater

-im Verein Kinderhilfe e. V.
-in der Blindenvereinigung Essen e. V. Bezirksgruppe Rüttenscheid
-dem Historischen Verein für Stadt und Stift Essen
-der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft Essen e. V.
-dem Deutschen Kinderschutzbund, Ortsverband Essen e. V.
-dem Verein zur Förderung der Folkwangschule
-dem Pohlbürger-Verein Essen und
vielen weiteren sportlichen und kulturellen Vereinen, sowie in- und ausländischen Kapellen.

Sein Engagement galt stets den Menschen, denen er sich persönlich verantwortlich fühlte.

Er war ein Mensch voller Ideen und Tatendrang, der es verstand, mit eisernem Willen – aber auch besonderem Humor – seine Ziele zu verfolgen. Seine oft erforderliche Hartnäckigkeit verschaffte ihm bisweilen den Ruf des „unbequemen“ Mannes. Selbst Tiefschläge nahmen ihm nicht den Mut und die Kraft weiter zumachen, sie waren eher Ansporn neue Wege zu finden.

Karl Hohlmanns besonderes Engagement galt jedoch seinem Bürger- und Verkehrsverein Rüttenscheid e.V.  Schon kurze Zeit nach seinem Eintritt wurde er 1953 zum Schriftführer gewählt, um danach den Posten des 1. Vorsitzenden zu übernehmen. In dieser Eigenschaft hat er sich weit über dem üblichen Rahmen für das Wohl der Menschen, der Bürger und seiner Heimatstadt Essen eingesetzt.

In nahezu 25 Jahren sind die Rüttenscheider Jahrbücher einschließlich der Jubiläumsausgabe „1000 Jahre Rüttenscheid“ 10 mal erschienen. 
Diese Jahrbücher sind eine Fundgrube für die Geschichte der Stadt Essen, insbesondere des Rüttenscheider Raumes und als beispielhaft von den Archiven von Bund, Ländern und Gemeinden gewürdigt und angefordert worden. Sie unterstreichen nachhaltig die tiefe Verbundenheit von Karl Hohlmann zu seiner Vaterstadt und seiner Liebe zur Essener Geschichte.

Ein besonderer Verdienst ist die Mitbegründung und aktive Förderung und Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte in Essen e. V., der heute viele von Karl Hohlmann durch sein Wissen und seine Bereitschaft geförderte Essener Organisationen angehören und die im Sinne von Karl Hohlmann sich um die Menschen bemühen, die dringend der Hilfe anderer bedürfen. Er hatte schnell und wirksam erkannt, dass besonders der Mitbürger mit Behinderung die aktive Unterstützung uneigennützig arbeitender Mitmenschen bedurfte.

Nach seinen Ideen und mit unermüdlicher Tatkraft wurde anlässlich der 1000-Jahr-Feier von Rüttenscheid die

Stiftung Rüttenscheid für spastisch gelähmte Kinder“ ins Leben gerufen.

Durch viele Aktionen und persönlichen, unermüdlichen Einsatz und selbstlose „Bettelaktionen“ hat Karl Hohlmann bis heute ein stattliches Stifterkapital zusammengetragen, um den jährlich steigenden Zinsertrag dem Verein Kinderhilfe e. V. zur Förderung gelähmter Kinder und jugendlicher zur Verfügung zu stellen.

Nach 2-jährigen, mühevollen Verhandlungen schaffte er mit seinem Einsatz, ohne die öffentliche Hand in Anspruch zu nehmen, die Errichtung eines Gedenksteines für die Toten von Rüttenscheid auf dem Gelände vor der Siechenkapelle.

Im feierlichen Rahmen konnte er 400 hervorragend gestaltete Stadtblindenpläne an die Blinden der Stadt Essen übergeben, um auch diesen Mitbürgerinnen und Mitbürgern die Schönheiten ihrer Heimat wieder näher zu bringen.

Karl Hohlmann darf für sich in Anspruch nehmen einer der Bürger bundesweit zu sein, der mit persönlichem Engagement und als Vorsitzender eines aktiven Bürger- und Verkehrsverein einmalige Akzente gesetzt zu haben. Dabei pflegte er stets eine ausgewogene und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Rat und Verwaltung.

1979 reifte in Karl Hohlmann der Gedanke, für dieMenschen mit Behinderungen in Essen ein behindertengerechtes Zuhause zu schaffen. Das Haus für Menschen mit Behinderungen, ein Modellfall für die Stadt Essen, sollte entstehen. Für Karl Hohlmann, der schon auf ein erfülltes Leben zurückblicken konnte, begann ein ganz neuer Lebensabschnitt. In einem 3jährigen, dornenreichen und mit vielen Rückschlägen gepflasterten Weg kämpfte er sich Schritt für Schritt voran. Woher sollten die Mittel für dieses Projekt kommen, wie sollte es realisiert werden?

Karl Hohlmann wusste immer einen Weg. Durch Basare, Frühschoppen, aktive Unterstützung der Behörden und Verbände, der Organisationen und vieler, vieler ungenannter Bürger sammelte er Pfennig für Pfennig, Mark für Mark. Das Grundstück an der Rüttenscheider Straße 157 wurde von der Stadt Essen erworben. Der erste Spatenstich wurde durch Herrn Oberbürgermeister Katzor im Beisein vieler Gäste vollzogen. Karl Hohlmann konnte sich erleichtert fühlen, ja, ein wenig glücklich schätzen. Doch der schwere Weg bis zur Vollendung und zum ersten Einzug der ersten glücklichen Bewohner dauerte noch bis zum 1. Juli 1982. Sein größter Wunsch, die Einweihung „seines Hauses“ mitzuerleben, war ihm nicht mehr vergönnt.

Herbert Bauckhage